Leothek

Die Magendrehung

Die Magendrehung, fachsprachlich MDV (Magen-Dilatations-Volvolus-Komplex) genannt, ist eine hochakute Erkrankung, die ohne Therapie binnen weniger Stunden zum Tod des Hundes führt.

Der Magen des Hundes liegt im vorderen Abdomen, aufgehängt an der Speiseröhre und dem Duodenum (Zwölffingerdarm). Über die Magenbänder ist er zwar mit der Leber und der Milz verbunden, trotzdem liegt er relativ frei pendelnd ohne größere Befestigung im Abdomen, was Drehungen begünstigen kann. Oft wird diese Erkrankung als »Magendreher« falsch bezeichnet. Der Magen dreht sich nicht aktiv, sondern (aufgrund der veränderten Statik) passiv. Die Erkrankung wird in drei Stadien eingeteilt: von zunehmender Blähung des Magens über eine Drehung um eine senkrecht zum Körper stehende Achse und abschließend um eine längs zum Körper stehende Achse. Dabei kommt es durch die massive Blähung zu einer Überdehnung der Magenwand und durch die Drehungen zu einer Abschnürung der Blutzufuhr, was einen Kreislaufschock nach sich zieht.

 

URSACHEN

Die Ursachen einer Magendrehung sind noch nicht eindeutig geklärt. Betroffen sind hauptsächlich Rüden großer und sehr großer Rassen ab einem Alter von 7 Jahren, die Erkrankung kann aber auch früher auftreten. Diskutiert werden: Gärende Futtermittel, akute Magenüberladungen, Magenatonien (durch mangelnde Magenbewegung lahmgelegte Verdauung), massives Wassersaufen mit nachfolgender Verdünnung des Magensaftes und dadurch bedingter lahmgelegter Verdauung sowie individuelle Veranlagung. In der Regel verbleibt das Futter 2 bis 3 Stunden nach Aufnahme im Magen, weshalb ein Toben des Hundes in dieser Zeit verhindert werden sollte. Oft treten Magendrehungen mitten in der Nacht, Stunden nach der Futteraufnahme, auf. Operiert man diese Hunde, stellt man trotzdem fast immer einen großen Futterbrei im Magen fest.

Die Ursachen einer Magendrehung sind noch nicht eindeutig geklärt. Betroffen sind hauptsächlich Rüden großer und sehr großer Rassen ab einem Alter von 7 Jahren, die Erkrankung kann aber auch früher auftreten.

Diskutiert werden: Gärende Futtermittel, akute Magenüberladungen, Magenatonien (durch mangelnde Magenbewegung lahmgelegte Verdauung), massives Wassersaufen mit nachfolgender Verdünnung des Magensaftes und dadurch bedingter lahmgelegter Verdauung sowie individuelle Veranlagung.

Hündinnen in den ersten Wochen nach einem Wurf haben ebenfalls ein größeres Risiko. Dies erklärt sich dadurch, dass während der Trächtigkeit der Magen aufgrund des gefüllten Uterus (Gebärmutter) relativ nach vorne verschoben und eingeengt ist. Nach der Geburt ist der alte Platz dann wieder vorhanden. Aufgrund hormoneller Wirkungen (Östrogene als Geburtsweg-Weichmacher), relaxieren (erschlaffen) auch die Bänder im Rest des Körpers. Durch die gesteigerte Futteraufnahme während der Säugeperiode kommen dann zwei Faktoren zusammen: eine hormonell bedingte zeitweilige Bänderschwäche und auch eine fütterungsbedingte Magenüberladung.

Aus eigener beruflicher Erfahrung kann ich berichten, dass sich Magendrehungen zu einer bestimmten Zeit häufen. Das heißt, es gibt Wochen, in denen täglich ein erkrankter Hund behandelt werden muss und dann wieder Wochen, in denen kein einziger Fall einer Magendrehung auftritt. In wie weit evtl. Wetterumschwünge ursächlich sind, ist nicht geklärt.

 
DIAGNOSE

Hunde mit einer Magendrehung versuchen, sich aufgrund eines zunehmenden Drucks im Bauch zu erbrechen, was aufgrund der abgedrehten Speiseröhre jedoch nicht funktioniert. Der Bauch wird im Bereich der Rippen hart und aufgetrieben. Beklopft man den geschwollenen Bauch, hört man einen tympanischen Schall (wie bei einer Trommel). Atmung und Puls sind massiv gesteigert. Je weiter fortgeschritten die Erkrankung ist, desto blasser und trockener werden die Schleimhäute. In der Regel genügt dem Tierarzt die klinische Untersuchung. Beweisend für eine Drehung ist ein auf der rechten Seite gelagertes Röntgenbild des Abdomens. Man erkennt schnell den deutlich luftgefüllten Magen mit der typischen Doppelfalte (Abb. 1).

THERAPIE UND PROGNOSE

Als Therapie ist nur die Operation möglich. Zunächst muss der Kreislaufschock mit einer Schockinfusion (3 – 5 Liter in kurzer Zeit über 2 Venenzugänge in bei-den Vorderbeinen) wieder stabilisiert werden. Zeitgleich werden ein starkes Schmerzmittel sowie ein breit wirkendes Antibiotikum in die Vene verabreicht. Danach versucht man, den luftgefüllten Magen via Punktion zu entlasten, also abzugasen. Ist der Hund einigermaßen stabil, wird er mit einer deutlich reduzierten Menge Narkotikum schlafen gelegt, sofort intubiert und im besten Fall weiter über lnhalationsnarkose versorgt. Mit einer Magensonde versucht man den Magen wieder zurück zu drehen, was meist nach erfolgreicher Entgasung über die Punktion gelingt. Danach erfolgt eine Laparotomie (Bauchschnitt) mit Rückverlagerung des Magens und seiner Anheftung seitlich an der Bauchwand (Gastropexie). Die Milz ist über viele Blutgefäße am Magen des Hundes fixiert. Bei einer Drehung dreht sich die Milz mit, und ihre Blutgefäße werden komprimiert (zusammengedrückt). Dadurch kommt es häufig zu einer Milzstauung, mit oder ohne Milzrupturen (Milzrisse). Während der Operation entscheidet man, ob man die Milz entfernen muss oder nicht.

 

Je länger eine Drehung besteht, desto länger ist der Magen überdehnt, was zunächst zu einer Mangeldurchblutung der Magenwand und nachfolgend zu deren Absterben führen kann. In schweren Fällen kann es deshalb notwendig werden, den Magen zu öffnen und abgestorbene Teile zu entfernen. Tritt dieser Fall ein, ist die Prognose für das Überleben des Hundes deutlich reduziert.

Durch die stattfindenden Gärprozesse und der aufgekommenen Hypoxie (Sauerstoffunterversorgung) der Gewebe kommt es zur Toxinbildung. Diese Toxine (Gifte) können bis zu 3 Tage nach der Operation zu Herzrhythmusstörungen in Form von ventrikulären Extrasystolen (zusätzlicher Herzschlag) führen.

 

 

Nach der Operation ist der Hund als lntensivpatient zu überwachen. lnfusionstherapie, regelmäßige Blutdruck- und EKG-Kontrollen über die folgenden 3 Tage sind unerlässlich. Bei unkompliziertem Verlauf wird der Hund am nächsten Tag bereits mit kleinen Portionen angefüttert und kann in der Regel nach 2 bis 3 Tagen entlassen werden. Das Auftreten von Herzrhythmusstörungen erfordert eine intensivierte Therapie, die in der Regel auch recht erfolgversprechend verläuft.

Kritische Fälle, bei denen es bereits zu Magenrupturen (Magenriss) oder zum Absterben von Teilen der Magenwand gekommen ist, versterben in der Regel noch während der Operation oder in der Aufwachphase. Die Erfolgsrate bei rechtzeitiger Operation ohne große Komplikationen liegt bei 85% bis 90%. Die Rezidivrate (das erneute Auftreten einer Magendrehung trotz Gastropexie) liegt unter 5%, ohne Gastropexie deutlich höher.

Die Kosten für eine Magendrehungs-Operation liegen je nach Tierarztpraxis bzw. Tierärztlicher Klinik und Tageszeit zwischen 800 € und 2.000 € (im Nachtdienst).

Anmerkung der Redaktion: Die Kosten sind seit 2015 deutlich gestiegen.

 
VORBEUGUNG

Da die Ursachen für eine Magendrehung nicht eindeutig definiert sind, ist eine Vorbeugung nur bedingt möglich. Früher dachte man, die Fütterung verteilt auf mehrere Mahlzeiten am Tag wäre präventiv, was aber mittlerweile durch Studien widerlegt wurde. Die Futterart ist ebenso nicht relevant. Trotzdem sollte man nach einer Fütterung den Hund nicht toben lassen. Exzessive Wasseraufnahme muss ebenfalls verhindert werden.

Der letzte Fall einer Magendrehung bei uns in der Klinik war ein 9 Jahre alter Dalmatiner-Rüde der vorberichtlich eine massive Magenüberladung mit Fleisch und Knochen hatte. Der untypischste Fall bisher war ein 17 kg schwerer Pudel.

Text & Fotos: Nathalie Mayer

Dieser Bericht ist erschienen in der LeoZeit Ausgabe 2, November 2015